
Hallo zusammen,
ich habe die Ehre einen kleinen Bericht über den Samstag unserer 4-tägigen Berlin-Reise zu schreiben, an welchem eine kleine Stadttour und das DFB-Pokalfinale auf dem Plan stand.
Der Tag begann für mich damit, dass ich überraschend feststellen musste, dass ich im Gegensatz zur ersten Nacht sehr gut geschlafen habe, was aufgrund des doch eher ungemütlichen Untergrunds und des, sagen wir mal nicht ganz leisen Ambiente nicht selbstverständlich war. Erfreut über diesen Fakt versuchte ich aufzustehen und mich aus meinem Schlafsack rauszuquetschen. Die Betonung liegt hierbei auf „versuchte“, denn wie so oft kommt nach der Freude die Ernüchterung: Das Turnier vom Vortag war für den Körper wohl doch einer zu viel. Vom Rücken bis in die Füße tat mir alles weh und vor allem die Schmerzen an meinem linken Fuß waren überhaupt nicht lustig. Was mir danach allerdings Mut machte, war das ich nicht der Einzige war der sich wie eine wandelnde Leiche Richtung Frühstück bewegte.
Nach dem Frühstück machten wir uns dann schnell ans einpacken der Sachen und das Abbauen der Zelte, was uns laut anwesenden Personen in Rekordzeit gelang. Jawoll!
Als dann alles erledigt war, ging es dann mit unserem schönen 9er mit hässlichem Kennzeichen Richtung Berlin-Mitte, wo sich unsere Jugendherberge befand, in welcher wir von Samstag auf Sonntag schlafen sollten. Dort angekommen konnten wir noch nicht direkt einchecken, also ließen wir unsere Sachen im Bus und machten uns direkt auf den Weg Richtung Innenstadt.
Unser erstes Ziel war allerdings weniger „schön“. Nach rund 20 Minuten Fußweg durch den Tiergarten standen wir am Denkmal für die verfolgten Homosexuellen durch die Nazis im 2. Weltkrieg. Ein simpler Betonquader mit einem kleinen Fenster durch welches man einen kurzen Film schauen konnte. Unweit von diesem Denkmal stand dann auch das nächste, welches Ebenfalls an die dunkelste Zeit Deutschlands erinnerte. Es war das Denkmal für die Ermordeten Juden Europas, welches unmittelbar neben dem Brandenburger Tor stand. Hier konnten wir einmal in aller Stille durchgehen und uns Gedanken machen, was uns in diesen Momenten so durch die Köpfe ging. Einfach schlimm, was damals passiert ist und natürlich auch sehr wichtig, dass in Formen von solchen Denkmälern daran erinnert wird.
Nach diesem weniger schönen, aber wichtigem Punkt auf der Tagesordnung stand dann die kleine, aber feine Stadttour an, welche standesgemäß mit dem Brandenburger Tor startete. Was uns hier schon auffiel: Der Fußball hat die Stadt eingenommen. Man sah eigentlich mehr VfB und Bayern-Fans als normale Touris, was die Vorfreude auf den anstehenden Abend immer mehr steigen ließ.
Über die berühmte Straße „Unter den Linden“ ging es dann knapp 2 km einfach nur geradeaus Richtung Berliner Dom. Hier wartete auch schon unser Guide auf uns, welcher uns vom Dom aus zu den Hackeschen Höfen führen sollte. Während dieser knapp einstündigen Tour wurden uns sehr viele interessante Fakten über Berlin und alles, was irgendwie damit zusammenhängt genannt. Auch die aktuelle Wohnung von Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde uns gezeigt… Wild! Nachdem wir dann noch eine unfassbar leckere Currywurst schnabuliert haben, standen wir inmitten der Hackeschen Höfe. Hier wurde uns dann die sehr interessante Geschichte zu diesen Bauten erzählt. Ich kann nur empfehlen sich das mal selbst anzusehen, wenn man mal in Berlin ist!
Und somit war unsere Tour auch schon wieder vorbei. Kurz und knapp, aber sehr interessant. Ich habe mich tatsächlich keine Sekunde gelangweilt. Chapeau!
Nachdem es dann mit der berühmtberüchtigten U8 wieder Richtung Herberge ging, hatten wir hier noch etwas Zeit zu entspannen und unser Zimmer einzurichten, bevor es dann Richtung Olympiastadion ging.
Am Stadion angekommen war der Anblick doch schon sehr imposant, wie groß dieses Stadion dann doch wirklich ist. Kaum zu glauben, dass wir ein Spiel davon entfernt waren, selbst hier zu spielen…
Der Einlass verlief tatsächlich sehr gut und in Nullkommanix standen wir dann auch schon hinter der Ostkurve in welcher sich diesmal die Bayern-Fangemeinschaft versammelte, während der VfB das Marathontor bekam. Es sei im Vorhinein gesagt, dass an diesem Tag beide Szenen dazu aufgerufen haben, sich einheitlich in den Vereinsfarben zu kleiden: Alle Bayern in Rot, alle Stuttgarter in Weiß. Wir waren weder in Rot noch in Weiß gekleidet, was uns natürlich etwas auffällig machte. Und es kam so wie es kommen musste: Auf dem Weg zu unseren Plätzen mussten wir an rund 20 Szeneleuten von Bayern vorbei, welche uns auch sofort als Fanprojekt enttarnten. Warum auch immer dann direkt ein „Scheiß Saarbrücken“ zuzüglich einer obszönen Geste hinterhergeflogen kam, weiß auch nur der liebe Gott. Vor allem hatte auch keiner von uns irgendwas an, was auch nur ansatzweise mit dem FC in Verbindung gebracht werden kann. Unangenehm teilweise 14–15-Jährige dumm von der Seite an zu machen! Das Ganze gipfelte dann auch noch darin, dass uns wohl 2 Leute bis zu unserem Platz „verfolgten“ und bis kurz vor Spielbeginn hinter uns standen. Einfach nur unnötig meiner Meinung nach.
Jetzt aber zum wesentlichen: Schon beim Aufwärmen merkte man, dass beide Fanlager richtig Bock auf dieses Spiel haben, schon hier war die Lautstärke unfassbar von beiden Seiten. Als dann im VfB-Block die erste Lautern-Fahne gesichtet wurde, war auch schnell klar wem in diesem Spiel die Daumen gedrückt wird.
Die erste Hälfte des Spiels verlief auf dem Platz unspektakulär, so blieb genug Zeit, um auf beide Kurven zu schauen. Da wir nah an der Bayern Seite saßen, konnte man hier natürlich etwas genauer hinschauen.
Die Südkurve München rund um Schickeria erwischte an diesem Tag einen absoluten Sahne-Tag. Nahezu 100 % Mitmachquote über beide Ränge gepaart mit einer unfassbaren Lautstärke. Das war einfach beeindruckend.
Die 2. Hälfte startete dann mit der Protestaktion gegen den DFB bei welcher beide Kurven unzählige Spruchbänder zeigten und ein riesiges durchgestrichenes DFB-Wappen vom Marathontor aus einmal rund ums Stadion wanderte. Das Ganze gipfelte dann in einer Pyroshow der Südkurve München, welche seiner gleichen Sucht. Hunderte Fackeln gingen gleichzeitig an und das Spiel musste für rund 5 Minuten unterbrochen werden, weil man einfach nichts mehr sah. Als Harry Kane dann kurz nach Wiederanpfiff das 1:0 erzielte, konnte die Party dann so richtig losgehen. Was nach diesem Tor im Stadion abging, war unfassbar. Mit einem Ohrenbetäubendem Lärm peitschte die Südkurve ihre Mannschaft dann auch noch zum 2:0 und 3:0. Beide Tore auch von Harry Kane, was ein Spieler! Nach dem Abpfiff ging die Party dann noch weiter und die Mannschaft feierte mit den Fans in der Kurve. Alles in allem musste ich nach dem Spiel anerkennend feststellen, dass das wohl mein lautestes Stadionerlebnis jemals, von allen 109 Stadien, welche ich bisher besuchte, war. Die Rückfahrt Richtung Herberge verlief dann unspektakulär, abgesehen davon, dass die Stimmung in der viel zu vollen Bahn einer Beerdigung glich. Nach einem maximal mittelmäßigen Döner ging es dann wieder in die Herberge, wo ich mich schon auf das erste Bett nach 2 Tagen freute.
Nochmal vielen Dank an das Fanprojekt für diese Möglichkeit und das geile Wochenende!
On va gagner – FP Allez!
